Weihnacht statt Angst: Terrorwahn und Diskriminierung

Mir ist vor einigen Jahren auf dem Hauptbahnhof Oberhausen spät abends etwas denkwürdiges passiert, was mich sehr traurig und bestürzt gemacht hat. Es geht um Terror. Es geht um Wahn. Es geht darum, wie wir mit einander umgehen. Und das ist ein Thema, das uns gerade in der Weihnachtszeit ein paar Minuten Bedenkzeit wert sein sollte.

Vor einigen Monaten habe ich gebloggt:

„Ich war mal auf Reisen als die Polizei einen Mann und seine Koffer in einem Bahnhof durchsuchte. Er sah nach einem Migranten aus und hatte einen Bart. Ich habe mich dazu gestellt und die Polizei gebeten, mich auch zu durchsuchen. Und gefragt, warum ich denn nicht verdächtig genug aussehen würde. Die Polizei hat mich abgewimmelt. Ich solle keinen Ärger machen. Der Durchsuchte meinte so: „Danke, aber ist schon gut. Ist das fünfte Mal diese Woche.“ Das war wenige Jahre nach den Attentaten in New York. Ein Freund von mir arbeitet in einem internationalen Team und meint, der Afro-Amerikaner werde weniger diskriminiert als der deutsche türkischstämmige Mitarbeiter.“

In den letzten Jahren haben die Reaktionen auf Anschläge aus meiner Sicht teilweise hysterische Ausmaße angenommen. Statt langfristig zu denken und vernünftige Lösungen zu finden, wurde Law&Order- Populismus – vor allem von Seiten des Innenministeriums – betrieben. Unsere Grundrechte wurden beim „Kampf gegen den Terror“ großzügig abgebaut. Großer Lauschangriff, Staatstrojaner, neue Versammlungsgesetze und Vorratsdatenspeicherung sind hier nur die Spitze des Eisberges.

Im „Kampf gegen den Terror“ wurden Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates bereitwillig und panisch über Bord geworfen – paradox, oder etwa nicht?! Der Niedersächsische Verfassungsschutz hat kürzlich eine Broschüre herausgegeben in der angebliche Indikatoren für eine mögliche Radikalisierung von jungen Muslimen genannt werden. Unter anderem:

„Die Kritik entzündete sich vor allem an dort aufgeführten Punkten wie „Gewichtsverlust durch veränderte Essgewohnheiten“ oder „längere Reisen in Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung“. Auch eine „intensive Beschäftigung mit dem Leben nach dem Tod“, plötzlicher Reichtum oder plötzliche Schulden können demnach auf eine Radikalisierung hinweisen.“

Kurzum: Die Punkte passen auf jeden durchschnittlichen Teenager. Muslime wurden also pauschal als „verdächtig“ und gefährlich eingestuft – bei Verhalten das bei jedem anderen Teenie nicht weiter besorgniserregend wäre. Solche Aktionen schüren eine Klima von Misstrauen und Angst. Misstraue deinem Nächsten wie dir selbst, scheint die frohe Botschaft des Verfassungsschutzes zu sein, denn schließlich kann jeder ein „Terrorist“ sein – auch Du. 82 Millionen potentielle Terroristen deren Kommunikation staatlich überwacht wird, deren Demonstrationen gefilmt werden und deren Grundrechte massiv abgebaut werden.

Mach Mit: Weihnachten statt Angst!

Der Weihnachtsmann ist ein Fremder, der weit gereist ist. Er trägt einen Bart und hat Gepäck dabei. Durch und durch verdächtiges Verhalten also, in Zeiten wie diesen. Die Aktion „Weihnacht statt Angst“ soll zum Nachdenken über die allgemeine Terrorhysterie anregen. In vielen Städten sollen Weihnachtsmänner über das Unrecht, das ihnen angetan wird informieren.

Um mitzumachen braucht es nicht viel: Besorgt Euch eine Weihnachtsmannmütze die es jetzt überall zu kaufen gibt. Vielleicht findet ihr ja optional noch ein Kostüm oder gar einen Bart. Vielleicht habt ihr ja schon einen Bart! Ob mit oder ohne Gepäck, mit oder ohne Schild: Verteilt Flyer, beispielsweise diese hier von den Piraten aus Hessen. Im Copy-Shop Eures Vertrauens sind die sehr schnell gedruckt. Wenn das Geld nicht für Farbe reicht, dann halt schwarz-weiß – auf den Inhalt kommt es an. Für Nächstenliebe und Vertrauen statt Angst und Generalverdacht. Und erklärt den Leuten worum es bei Weihnachten wirklich geht. Es geht um Liebe, nicht um Angst.

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