Das beste Interview mit Frauke Petry

Tim Sebastian hat Frauke Petry in seiner einmaligen Hartnäckigkeit befragt und dabei ganz einzigartige Statements eingefangen. Seine Taktik: Einfach so lange fragen, bis man eine echte Antwort auf die Frage bekommt. Ganz großes Kino:

 

Die AfD & Pressefreiheit

Konfrontiert mit kritischen Fragen rudert Petry im Interview verzweifelt zurück und attackiert den Journalisten. Man merkt deutlich, wie sie zunehmend die Fassung verliert und aggressiver austeilt. Hier ein Auszug einer der Szenen, die viel über das Verhältnis von Frauke Petry zur freien Presse offenbaren:

Frauke Petry: „Are you interested in our ideas?“
Tim Sebastian: „Yes. I am.“
Frauke Petry: „Obviously not. Because all you do is presenting me quotes from people who obviously do not like the party. Instead you should ask me questions like how we want to change German and European politics. Shouldn’t you?“
Tim Sebastian: „You can answer questions. But I am going to ask the questions that I’d like to ask.“
Frauke Petry: „Yeah, But..“.
Tim Sebastian: „Because that’s what a free press does.“
Frauke Petry: „[Stottert]“
Tim Sebastian: „Unless you want to give me a script.“

Ähnliche Situationen wiederholen sich im Verlauf des Interviews immer wieder. Tim Sebastian bleibt dabei herrlich ruhig und antwortet mit klugen Gegenfragen. Beispiel: Frauke Petry unterstellt ihm, dass er mit einer Frage die AfD in eine bestimmte Richtung drängen will. Seine Antwort: Statt über die Intention meiner Frage zu spekulieren können Sie die Frage einfach beantworten. Mit diesem und anderen Kontern stellt er mehrfach grandios Ablenkungsmanöver von Frauke Petry bloß. Hier ein Zusammenschnitt einiger brillianter Szenen.

Steht das im Programm der AfD?

Der kürzlich geleakte Entwurf eines Grundsatzprogramms der AfD enthält tatsächlich eine überraschende Passage zur Pressefreiheit. Dort heißt es:

 

Die Kernfrage ist immer: Wer definiert, was „Information“ und was „Meinung“ ist? Und was passiert, wenn man dagegen verstößt? Wenn es als Staat möglich ist der Presse vorzuschreiben, unbequeme Berichterstattung als bloße „Meinung“ im Kontrast zu staatlich abgesegneter „Information“ abzustempelt, ist das ein Eingriff in die Pressefreiheit. Solche Vorgaben kennt man sonst nur aus totalitären Regimen. Derartige Pläne enden meist mit einem staatlich kontrollierten Propagandasender. Tatsächlich will die AfD sich zwar von öffentlich-rechtlichen Sendern verabschieden, doch nur, um neue komplett staatlich finanzierte Rundfunkanstalten aufzubauen. Im von dem Recherche-Netzwerk Correct!v geleakten Entwurf des AfD-Grundsatzprogramms heißt es: „Die staatliche Informationsversorgung wird durch einen steuerfinanzierten Rundfunk mit zwei Rundfunksendern und zwei Fernsehsendern geleistet.Bereits im Wahlprogramm der AfD Baden-Württemberg schlug man vor, Einfluss auf die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen zu nehmen. Problem laut AfD: Es werden zu viele kaputte Familien gezeigt. Eine AfD-konforme Berichterstattung würde damit so gut wie jede Daily-Soap kippen.

Bitte mehr Interviews von dieser Sorte!

Das Interview von Tim Sebastian mit Frauke Petry hebt sich deutlich von dem ab, was man sonst zu sehen bekommt. Am Wahlabend war ich oft erschüttert, wie wenig kritische Rückfragen Frauke Petry auch bei offensichtlicher Nichtbeantwortung von Fragen bekam. Kritischer Journalismus zeichnet sich dadurch aus, dass man so lange fragt bis man eine echte Antwort bekommt. Und gerade dann, wenn die sachliche Frage offensichtlich als unangenehm wahrgenommen wird, dürfte die Antwort umso spannender sein. Daher mein Appell: Bitte mehr Interviews von dieser Sorte. Gerade eine Partei, die in ihrem Programm eine Beeinflussung der Medien fordert, hat solch kritische Fragen mehr als verdient. Und je mehr Menschen sehen, wie Frauke Petry sich durch dieses Interview stottert, desto besser. Damit können sie sich selbst ein Bild davon machen, wie die AfD wirklich tickt.

 

20 Gedanken zu „Das beste Interview mit Frauke Petry

  • @Ansgar

    Frau Petry konnte dem „Getrolle“ ausführlich antworten und klarstellen was Ihre Position ist. Was ist das Problem? Sind provokante Fragen für diese Polemik-Meisterin zuviel?

    „You don’t give straight answers.“ Ist die perfekte Analyse von Frauke Petry.
    „Would you give the order to shoot at people as a last resort. Yes or No“. Warum kann sie nicht einfach antworten? Statt dem ganzen Palaver drumherum – und dann das Gejammer, dass sich das Interview nicht um andere Themen dreht. Dann beantworte halt einfach mal eine Frage geradeheraus! Und abgehakt wär’s.

  • Ich bin Engländer und weder ein Fan von AfD Politik noch Petry ..und diesen unseriösen Interview ist nicht „großes Kino“, wie geschrieben wurde sondern typischen journalistischen Rhetorik. Sebastian formuliert seine Fragen provokativ, penetrant aber nicht „kritisch“, um Petry in eine Ecke zu drängen und sich selbst als möglichern „Gewinner des verbalen Kampfes“ erscheinen zu lassen. Typisch. Er fordert direkte Antworten auf oft hypothetische Situationen oder ändert Zusammenhänge etc. Gut daß Petry so gut Englisch kann daß sie seine Taktik etwas durchblicken konnte….Er hat diesen Interview jedenfalls nicht „gewonnen“. Schade daß es so wenig richtige Interviewer gibt…
    Alles gestaltet nach dem Motto, „antworten Sie bitte folgende Frage nur mit „ja“ oder „nein“. Frage: schlagen Sie ihren Kind oft?“ !!!!!!

  • „Das Problem ist, dass Tim Sebastian diese Frau nicht interviewt, sondern trollt.“…WTF…Leute wie Petry, deren ganzes politisches Konzept darauf fußt „zu trollen“ müssen damit rechnen so interviewt zu werden. Also wo liegt da ein Problem. Die AfD ist keine Alternative und hat keine Alternative weder für Deutschland, noch Europa oder von mir aus auch die Welt.

  • @Ansgar
    Der Herr hat mit Suggestivfragen gearbeitet. Und das ist tatsächlich keine seriöse Technik. Das unsere Blogbetreiberin darin etwas Positives sehen will, spricht wohl für ihre Voreingenommenheit. Motto: Verstand aus, Emotionen an.

  • Das Problem ist, dass Tim Sebastian diese Frau nicht interviewt, sondern trollt.

    Damit mag man sympathisieren, wenn man nicht ihre politischen Ansichten teilt. Aber das macht keinen guten Journalismus. Was wir sehen ist, dass die Pressearbeit über die AfD so ist, dass sie selbst das nicht annehmen kann, nämlich selektiv negativ, mit doppelten Standards.

    Nehmen wir doch mal:
    „You have the distinction of being the one German leader who has raised the possibility of actually shooting refugees on the border – as a last resort. Are you proud of that?“

    Hat sie das getan? Nein, ein Journalist hat sie in die Enge getrieben, was Grenzschutz im extrem heißen würde und sie hat das so dargestellt wie sie für common sense nach der Rechtslage hält. Das aber ist wie wenn jemand David Cameron zu den britischen Nuklearwaffen fragen würde, er erklärt was Sinn und Zweck dieser Waffen ist, sodann Cameron als der „Irre“ diskutiert würde, der angeblich Atomschläge gegen den Kontinent vollstrecken will, und dann ein deutscher Journalist ihn interviewt:

    „You have the distinction of being the one British leader who has raised the possibility of actually nuking Europe – as a last resort. Are you proud of that?“

    Wenn Petry sagt, sie habe es nie gesagt, stimmt das. Das was Sebastian zitiert streitet sie auch nicht ab, belegt aber nichts.

    Der Witz ist: Jedermann, der dienstlich Waffen trägt, und trainiert wird um sie einzusetzen, soll im äußersten Fall von der Waffe Gebrauch machen. Genau wie die britischen Atombomben Camerons dazu bestimmt sind die Länder Westeuropas zu vernichten.

  • Ich finde die AfD an Hand ihres Auftritts und ihrer Agenda auch ziemlich daneben.
    Irgendwie haben die mit ihrem Programm echt mal rückschrittliche Geisteshaltung gezeigt.
    Das Interview wahr teils sehr unterhaltsam, der Reporter standhaft und Frauke Petry hatte es definitiv nicht leicht. Dennoch zu behaupten unsere Presse sei immer frei und unkorrumpierbar, ist ein schlechter Witz.
    Klar, alle Medien der Lüge zu bezichtigen ist bisschen sehr einfach gestrickt.
    Es gibt dort durchaus ganz schön gute Gegenbeispiele, seien es einzelne Autoren, Reporter, Journalisten, Kollumnen, Sendungen etc.
    Oft genug habe ich aber das Gefühl, das viele Medien einseitig und nicht neutral berichten. Oft genug wird eine bestimmte Idee favorisiert und unison medienübergreifend solange wiederholt wird, bis man denken muß, dass IST die Wahrheit.
    Es gibt immer noch so viele Ungereimtheiten, die nicht genug beleuchtet werden. So viele offene Fragen, die keiner laut ausspricht.
    Sollen wir uns diese Fragen nicht stellen und öffentlich diskutieren?
    Warum gibt es heute eigentlich mehr kritische Comedians, die sich trauen, die Wahrheit auszusprechen, als Journalisten und Politiker?
    Is doch klar, dass man dann denken muss, dass „die Presse“ auf bestimmten Themen einen Maulkorb hat. Mir ist da jedenfalls noch zu viel Lobbyismus und ThinkTank im Hintergrund. Da muss was passieren. Die Zeit Umzudenken ist jetzt und wenn uns was an den nächsten Generationen liegt, die diesen Planeten bewohnen sollen, dann gilt es neue Wege zu gehen..
    Macht euch frei von Angst, Vorurteilen und seid kritisch, was ihr euch an Informationen alles reinzieht! Geht mehr raus in die Natur, erforscht eure geistigen Fähigkeiten und schafft Einklang/Harmonie in eurem Leben, überdenkt nicht nachhaltige Handlungsweisen, dann werdet ihr auch mündige Menschen, die aus einer anderen Haltung heraus eine bessere Welt erschaffen könnt.
    Die Hopi-Prophezeiung sagt ganz treffend:
    Wir sind die, die wir gewartet haben!
    2016 ist das große Jahr der Transformation zum Kollektiv vom Ego zum Wir.
    Let’s go everybody!

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