Von Neupiraten und Shitstorms

„Sie sind erst im März in die Piratenpartei eingetreten.“

 

„Ja“

 

„Gab es da keinen Shitstorm?!“

 

„Nein.“

 

*Schweigen*

 

* * *

Es wurde viel geschrieben über das rasante Wachstum der Piratenpartei. Über Neupiraten, Altpiraten und steigenden Zuspruch für eine etablierte Neupartei, die bereits vier Landtage entern konnte. Mein Name ist Katharina Nocun und ich wurde von den Piraten Niedersachsen auf Platz zwei der Landesliste gewählt, nur vier Punkte fehlten mir für einen ersten Listenplatz.
– Zeit einmal meine Version des Verhältnisses Neupiraten / Altpiraten zu erzählen.

Ich bin im März das erste Mal zum Stammtisch der Piraten Osnabrück gekommen. Mir gegenüber saßen in einem Osnabrücker Cafe zahlreiche fremde Gesichter. Wie üblich, wenn neue Mitglieder anwesend sind, gab es eine kleine Vorstellungsrunde. Jeder erzählte warum er oder sie in die Partei eingetreten ist. Viele Gesichter, die ich mir unmöglich merken konnte. Und noch mehr Namen. Am ersten Abend habe ich viele bereichernde Gespräche geführt. Und so kam es wie es kam: Ich kam wieder. Und wieder. Und wieder.

 

Und ich habe kandidiert. Als Neumitglied habe ich mich bei der Listenaufstellung in Nienburg auf die Plätze zwei abwärts beworben. Und wurde gewählt. Damals auf Platz drei. Später bekam ich in Wolfenbüttel die meisten Dafür- und die wenigsten Gegenstimmen. In Delmenhosrt habe ich um vier Punkte knapp den ersten Platz verpasst. Von Shitstorm keine Spur. Eher das Gegenteil davon.

 

Ich habe Aufstellungsversammlungen in drei Städten mitgemacht. Aufgrund von Formalfehlern musste die Wahl einmal wiederholt werden. In Wolfenbüttel hat schließlich die Zeit nicht gereicht, um die Plätze für 30 Listenkandidaten zu verteilen. In Delmenhorst haben wir dann  – zumindest was die ersten Plätze angeht – eine Liste gewählt, die weitgehend jener in Nienburg entspricht. An einem der Spitzenplätze steht somit auch wieder ein Neumitglied, dem ein beeindruckendes Vertrauensvotum gegeben wurde.

 

Was ich erlebt habe war kein Shitstorm – Das Gegenteil war der Fall: Ein Kreisverband, der mich in jeder Hinsicht unterstützt hat. Eine Basis, die vorurteilsfrei auf Kompetenzen und nicht auf die Mitgliedsnummer geschaut hat und eine offene Struktur, in der neue Ideen für Projekte willkommen geheißen wurden.
Ich habe in den letzten Monaten viele Hände geschüttelt. In viele hoffnungsvolle Gesichter geblickt. Zugehört und auch Rat gegeben. Und Rat bekommen, wenn ich ihn brauchte. Ich fühlte und fühle mich in jeder Hinsicht willkommen und aufgehoben. Und dafür möchte ich an dieser Stelle einmal Danke an die Mitglieder des Landesverbandes Niedersachsen sagen.

 

Und nächsten Donnerstag werde ich wieder zum Stammtisch Osnabrück gehen. So wie vor fünf Monaten das erste Mal. Ich werde in viele bekannte Gesichter blicken. Und vielleicht werden dort auch wieder einige neue Gesichter warten. Sie werden in der Vorstellungsrunde davon berichten, warum sie zu den Piraten gekommen sind. Und auch wir werden erzählen von damals. Ich bin wegen der Themen gekommen. Geblieben bin ich wegen einem politischem Betriebssystem mit offenen, menschlichen Schnittstellen.

 

*  *  *

 

Links & Lesenswertes:

(Zeichnung: Charlotte von Hirsch)


8 thoughts on “Von Neupiraten und Shitstorms

  • @Arne: Gute Punkt. Ich fand den Ansatz der AG Neupiraten da sehr gut:

    „Es gibt nicht Altpiraten und Neupiraten, es gibt nur informiert und nicht informiert. Neue Mitglieder sind meistens letztere, wir erarbeiten Konzepte mit denen man Neumitgliedern den Einstieg in die Strukturen und die Werkzeuge der Partei erleichtert und erklärt. Dadurch soll unsere Partei nachhaltig attraktiver werden und die aktive Arbeit für die breitere Masse an Piraten möglich, auch ohne monatelange Lernprozesse.“

  • Vorbei man natuerlich auch erwaehnen muss, dass Du ja durchaus keine Unbekannte mehr bist durch deine Arbeit als Buergerrechtlerin und Aktivistin. Die Leute wissen schon, wen sie vor sich haben, wenn sie dich waehlen.
    Auf der anderen Seite half dir deine Arbeit im AKV & Co sicherlich dabei, dich auch bei den Piraten zurechtzufinden.
    Ein gaenzlich unbekannter Neupirat wird es vermutlich deswegen ein bisschen schwieriger haben.

    Wie Du weisst, sehe ich deinen potentiellen Einzug in den niedersaechsischen Landtag etwas zwiespaeltig. Einerseits freue ich mich natuerlich darueber, dass dem Schuenemann endlich mal kompetent und energisch im Parlament den Marsch blasen kann, andererseits befuerchte ich, dass Du uns bei den Buergerrechtlern fehlen und eine grosse Luecke hinterlassen wirst, weil die Parlamentsarbeit viel Zeit und Energie frisst. Sieht man ja auch bei Patrick bereits.
    Ausserdem wuerde ich dich lieber im Bundestag oder in Bruessel sitzen sehen… aber vielleicht kommt das ja auch noch… 🙂

  • Hi Katta,

    so ganz vorurteilsfrei habe ich nicht auf Deine Kompetenzen geschaut. Ich habe z. B. Deine Redebeiträge wesentlich genauer verfolgt, als die von einigen Piraten mit „niedriger Mitgliedsnummer“, auch um für mich festzustellen, ob die Stimmen, die Du bekommen hast, in meinen Augen eine gute Wahl waren.

    In einigen / vielen von uns, die vor 2010 Mitglied geworden sind, ist noch die Erinnerung an einen Beisitzer im Bundesvorstand allzu präsent, der – erst Wochen vor seiner Wahl in die Partei eingetrteten – durch krasse Äußerungen zu außenpolitischen Themen jeden Menge Ärger verursacht hat.

    Vor allem, da ich gerade zufällig deinen Blogeintrag http://kattascha.de/?p=25 gelesen habe, frage ich mich, wo die Grenzen zur Diskriminierung von „Neupiraten“ liegen. Schon im Wort Neupiraten? Auf jeden Fall aber dort, wo die Bewertung von Inhalten abhängig ist von der Dauer der Mitgliedschaft. Das wäre aber so weit ich weiß eine Ausnahme.

    In der Hoffnung, dass Deine Erfahrungen als „Neupirat“ eher die Regel, als die Ausnahme sind,

    Gruß
    Arne

    p.s.: Gute Wahl ;o)

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