Analoghacking: Presse, Protest und Öffentlichkeit

Aktivisten haben ein schweres Los. Grundsätzlich ist immer mindestens doppelt so viel Arbeit da wie Leute, die es erledigen könnten. Bezahlte Arbeitskräfte gibt es nicht und das Budget reicht gerade mal für Flyer.

Die Pressestelle des Innenministeriums gleicht vom Outputvolumen her einem Spam-Bot, während die eigene aus Leuten besteht die immer dann im Urlaub oder krank sind, wenn man sie am dringendsten braucht. Nicht wenige Journalisten vertrauen den Statements der Überwachungsminister und -Behörden ohne eine zweite Meinung einzuholen. Folge: Die öffentliche Aufmerksamkeit ist zu gering um Druck auszuüben. Die Motivation ist im Keller. Ratlosigkeit stellt sich ein.

Der Aktivist hat nun mehrere Handlungsalternativen:

a) Sich in vielen Mails über den Gesamtzustand empören.

b) Handeln.

Plan B: Handeln

Eine kleine Gruppe mit wenig Geld hat nur eine einzige Chance, ihre Themen in die Öffentlichkeit zu bringen: Kreativität. Kreativität ist die stärkste Waffe des kritischen Geistes und wir sollten niemals die Macht des Humors unterschätzen. Durch das Internet ist es noch einfacher geworden, Menschen für kurzfristige spaßige kreative Protestformen zu gewinnen oder Aktionen durchzuführen. Ob nun Wulff-Protest mit Vuvuzelas, gekaperte Guttenberg-Jubeldemo, Bootstour gegen AKWs in der Spree, Nacktdemo gegen Nacktscanner oder zu Grabe getragene Grundrechte. Kreativer Protest wirkt. Und er wirkt noch besser, wenn er mit einer PM vorab begleitet wird und Journalisten gezielt zu einem einmaligen Event eingeladen werden, um exklusiv von Eurer Aktion zu berichten und ausdrucksstarke Bilder zu machen. Und ganz nebenbei hat man auch noch viel Spaß dabei.

Der Flashmob

Der Flashmob ist eine beliebte Form der Aktion mit dem erklärten Ziel für Spaß und Aufmerksamkeit zu sorgen. Flashmobs lassen sich am besten über soziale Netzwerke bewerben oder über eine Aktionsseite, alternativ reicht auch ein Blogartikel den man verbreiten kann. Man sollte darauf achten, dass während der Aktion Sinn und Zweck der Aktion erkennbar ist und nach Möglichkeit das ganze dokumentieren um anschließend die Aufnahme übers Netz zu verbreiten und damit das Anliegen zu unterstützen.

Speakers Corner

Für diese Aktion braucht man zwingend zwei Zutaten: einen Selbstdarsteller und ein Megaphon. Optional kann man zusätzlich noch eine Apfelsinenkiste und Schilder oder Plakate hinzufügen. Man bedenke bitte, dass so eine Aktion nach deutschem Recht anmeldepflichtig ist. Je nach Versammlungsgesetz in dem jeweiligen Bundesland ist es jedoch schon vorgekommen, dass die Polizei die Nutzung von Megaphonen grundsätzlich untersagt (Niedersachsen, eine Klage dagegen ist erfolgt).

Die Jubelaktion

Demonstrationen sind immer nur dagegen, warum eigentlich? Warum nicht einmal für Überwachung oder für Studiengebühren auf die Straße gehen? Wenn man sich richtig anstellt und die Argumente der Gegenseite angemessen auf Plakaten zum Ausdruck bringt (z.B. „Pöbel runter von der Uni“, „Ihr seid alle Terroristen“), kann man die Menschen sicher von den eigenen Argumenten überzeugen.

Die Sing- und Tanzdemo

Demonstrationen können auch lustig sein. Warum also nicht mal eine Samba-Gruppe einladen und mit Trommelwirbel die Demo begleiten lassen? Wenn die Musik gut ist, kann selbst Regen kein Hindernis für gute Laune sein. Entweder die Musik läuft mit oder eine Band spielt zu Beginn oder Abschluss der Demo passende Songs oder aber man macht einen Rave auf dem örtlichen Marktplatz. Musik zum Thema Überwachung findet ihr in dieser Übersicht. Gema-Anmeldung nicht vergessen!

Straßentheater

Man kann alle Themen auch spielerisch vermitteln. Schauspielerisch. Straßentheater macht Spaß und hält die Leute zum stehen bleiben an.

Die Kunstinstallation

Presse mag schöne Bilder. Schöne Bilder kosten meist nicht viel Geld und sie zu erzeugen macht Spaß. Meist reicht ein wenig Bastel-Freude und einige Helfer und schon ist die Pressewirksame Aktion da.

Der Trauermarsch

der Trauermarsch ist ohne Zweifel ein Klassiker unter den kreativen Aktionen. Einfach in schwarze Schale Werfen, schnell einen Trauerflor, einen Kranz, etwas Blumen und einen Pappsarg besorgen und fertig ist die Trauerveranstaltung. Zu Grabe getragen werden können unter anderem Grundrechte, Pressefreiheit und Unschuldsvermutung.

Das ist noch nicht alles

Natürlich ist das nur eine kleine Sammlung der endlos vielen Aktionen die möglich sind. der Kreativität sind im gegensatz zum Budget keine Grenzen gesetzt. Mehr Tipps und Anleitungen findest du hier:

Bitte schreibt mir doch einen Kommentar, wenn ich was vergessen habe – ich baue es gerne ein.

Ein Gedanke zu „Analoghacking: Presse, Protest und Öffentlichkeit

  • Hallo Kattascha,vielen Dank für die sehr schönen Leitfaden. Ich hoffe, dass er viele Aktivisten inspiriert. Viele Grüße Rainer

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