Endlich Podcasterin!

Falls Ihr Euch in letzter Zeit gewundert habt, warum es im Blog etwas still geworden ist… ich habe mich ganz schlimm verliebt. Und zwar ins Podcasten. Lange habe ich mit dem Gedanken gespielt einen eigenen Podcast zu machen. Anfang des Jahres habe ich es endlich durchgezogen. Im Januar ist die erste Folge vom „Denkangebot Podcast“ an den Start gegangen. Seitdem ist es um mich geschehen.

Ich bin ein großer Fan von Radio-Features. Statt einem klassischem „Menschen reden in ein Mikro“-Podcast kommt meine Sendung daher im Reportage-Format daher. Das bedeutet: Es gibt viele Gäste, die zu Wort kommen, Ausschnitte aus Sendungen und Vorträgen. Dazwischen Musik. Das ist zwar extrem aufwendig zu produzieren, aber irgendwie finde ich es genau richtig so :-D

Folge 1: Und ewig grüßt das Polizeigesetz

Die erste Folge war ein Kampf. Insgesamt 6 Monate lang habe ich mir immer wieder Zeit freigeschaufelt, um mir Schnitt und alles was dazu gehört beizubringen. Nach der ersten Aufnahme habe ich alles noch einmal über den Haufen geschmissen und meine Tonspur komplett mit neuer Ausrüstung eingesprochen. Mindestens fünfmal war ich überzeugt, nun endlich fertig zu sein und endlich releasen zu können. Aber dann ist immer wieder etwas passiert (z.B. eine Demo) und ich hatte plötzlich wieder eine Menge neues Material gesammelt, das natürlich irgendwie auch noch rein musste. Als ich dann auf dem #35C3 die Folge mit etwas Abstand nach den Weihnachtstagen gehört habe, hatte ich endlich das Gefühl: Das kann jetzt raus. Am 15. Januar war es dann endlich so weit. Ich hoffe, die erste Folge zum Thema Polizeigesetze hat den einen oder anderen dazu animiert gegen diesen leider bundesweiten Trend zum Grundrechtsabbau auf die Straße zu gehen. Wenn ja: Wunderbar! Genau so war es gedacht!

Folge 2: Wenn Hass und Gewalt online normalisiert werden

Die zweiten Folge dreht sich um das Thema Hass und Gewalt im Netz. Eigentlich hatte ich ein ganz anderes Thema geplant, aber dann landete plötzlich wieder eine dieser krassen Droh-Mails („Polacken-Fotze“, KZ, usw.) in meinem Postfach. Daher habe ich beschlossen, zum Thema Hass und Gewalt im Netz zu recherchieren. Spannend fand ich hierbei vor allem die vielen psychologischen Studien, auf die ich gestoßen bin. Forscher zeigten etwa, dass der Anteil von sadistischen Persönlichkeitsmerkmalen bei “Trollen” deutlich über dem Durchschnitt liegt. Und: Trolle sind anscheinend häufiger männlich. Eine weitere Studie zeigte, dass passive Mitleser ihre Haltung zu Themen ändern, so bald sie online Beschimpfungen lesen. Rückblickend muss ich sagen: Mir war vorher selbst nicht klar, wie stark sich eskalierende Debatten auf unsere Meinungsbildung auswirken können. Und wie leicht es ist, unser Gehirn mit sehr einfachen Methoden umzuprogrammieren. Was mich überrascht hat, waren die vielen Rückmeldungen zu dieser Folge. Insbesondere männliche Hörer haben sich dafür bedankt, dass ihnen dadurch erst klar geworden ist, was für krasser Scheiß für viele Frauen online einfach Alltag ist. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Marina Weisband (Projekt Aula) berichtet, wie sie Hasskommentare und Drohungen in ihrer Zeit als politische Geschäftsführerin der Piraten erlebt hat. Ricarda Lang (Sprecherin der Grünen Jugend) erklärt das Konzept von „Bodyshaming“. Johanna Uekermann (Ex-Juso-Chefin und heute stellvertretende Landesvorsitzende der SPD Bayern) zeigt auf, dass besonders junge Frauen betroffen sind. Mit Helena Schmidt (Dokuprojekt „Lösch Dich“) spreche ich über das rechtsextreme Netzwerk “Reconquista Germanica”. Und Ali Can (Autor von „Hotline für besorgte Bürger“, Initiator von #MeTwo) berichtet von seinen Erfahrungen mit Einschüchterungsversuchen im Rahmen der Kampagne #MeTwo. Mit Enno Lenze (Autor von „Fronturlaub“, Museumsdirektor Berlin Bunker) habe ich über die mehr als 500 Morddrohungen gesprochen, die er in den letzten Jahren bekommen hat. Mein Anwalt Udo Vetter (Strafverteidiger, Lawblog.de) erklärt, mit was für Strafen Täter zu rechnen haben und warum er eine Namenspflicht in sozialen Netzwerken für keine gute Lösung hält. Die wunderbare Ingrid Brodnig (Autorin von „Hass im Netz“ und „Lügen im Netz“) erläutert den Unterschied zwischen “Trollen” und “Glaubenskriegern”. Mit Fabian Wichmann (Exit Deutschland, HassHilft) und Susanne Tannert (Sprecherin von #Ichbinhier) spreche ich abschließend darüber, was man tun kann, um den Hatern etwas entgegen zu setzen. Am Ende ist die zweite Folge genau so lang geworden, wie die erste (1:40h). Aber das hat dann wohl so sein sollen…

Folge 3: Urheberrecht, Filter

Mit 2h ist Denkangebot Nummer 3 die bisher längste Folge. Ging aber nicht anders, weil ich es wichtig fand mal nicht nur über Filter sondern auch Vergütung von Urhebern im Allgemeinen und die ganzen anderen Nebeneffekte der EU-Urheberrechtsreform zu sprechen. Ganz besonders habe ich mich darüber gefreut, mit Julia Reda über die Reform sprechen zu können. Da ich ihr Interview als Ganzes so ungemein aufschlussreich fand, habe ich den Wortlaut noch einmal als einzelnes Audio im Rahmen eines Specials released. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht ob ich das öfters machen werde – da wäre Eure Rückmeldung ganz hilfreich.

Folge 4: “Nix zu verbergen”

Das war die für mich schwerste Folge überhaupt, weil Datenschutz mir sehr am Herzen liegt. Und es ist extrem schwierig bei dem ganzen Wissen, welches man unterbringen will, noch irgendwie unter 5h zu bleiben :-) Daher geht es in dieser Folge erst einmal “nur” um Werbetracking, Datenhandel und Facebook-Datenspuren. Freue mich hier ganz besonders, dass Marit Hansen, Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, hier ihre Expertise beigesteuert hat. (Aber ich habe tatsächlich Material für 5h auf der Platte, daher wird es demnächst sicherlich noch eine weitere Folge zum Thema geben ;-))

Fazit: Viel Arbeit aber auch viel Freude

Geradezu schockiert hat mich, wie wunderbar die Podcaster Community mich supportet hat. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. <3 Logbuch Netzpolitik & Aufwachen Podcast & Mensch, Frau Nora & Podlove (und alle die ich vergessen habe) <3 Danke fürs verlinken und weiterempfehlen!

Zum bloggen bleibt derzeit leider wenig Zeit. Denn so ein Feature-Format ist wahnsinnig viel Arbeit. Aber jedes Mal, wenn ich eine fertige Folge dann höre (meist gegen 2 Uhr Nachts), bereue ich es nicht, keinen klassischen „Rede-Podcast“ gemacht zu haben. Es ist ein wenig, als würde man jemanden an die Hand nehmen und auf eine Recherche-Reise mitnehmen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mal mitkommt & reinhört :-)

PS: Was mir wichtig ist: Dieser Podcast hat nicht den Anspruch neutral zu sein. Ich bin ein politischer Mensch. Hier könnt ihr Euch sicher sein: Wenn ich über Rechtsextremismus rede habe ich hier sicher keinen Bock Nazis zu Wort kommen zu lassen. Was Trolle zum Thema Hass im Netz sagen interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht. Man muss nicht jedem Scheiß ein Podium bieten.

PPS: Weil ich das immer wieder gefragt werde: Ja, ich mache das tatsächlich alles selbst und habe kein Studio oder ähnliches im Rücken. Ist alles selbst technisch umgesetzt & geschnitten – quasi ein “kattascha Original” in Handarbeit ;-)


Dir hat dieser Beitrag gefallen? Das freut mich sehr! Dieser Blog finanziert sich ausschließlich über Leser-Spenden. Meine Kaffeekasse ist entweder über paypal.me/kattascha oder das Konto mit der IBAN-Nummer DE84100500001066335547 (Inhaber Katharina Nocun) erreichbar. Oder bei Steady. Natürlich freue ich mich auch, wenn Ihr mein neues Buch “Die Daten, die ich rief” bestellt :-)

4 Kommentare

  1. @Hannes Danke für den Hinweis! Ich schaue mir das morgen an.

    LG Kattascha

  2. Wow, da hast Du Dir gleich die schwierigste und anspruchvollste Kategorie von allen ausgesucht.

    Da höre ich auf jeden Fall rein. Vielen Dank!

    Viele Grüße,
    Klaus

  3. Erstmal: Großes Lob – die letzte Episode war wirklich gut! Es ist nicht leicht ein so langes Feature zu machen ohne dass es monoton wird – ist dir echt super gelungen!

    Da ich den Podcast wirklich gut finde supporte ich ihn auch bei Steady – dort wird einem nach erfolgreicher Unterstützung ein Feed-Link präsentiert – leider sind in diesem Feed keine Episoden auffindbar (Nur Beschreibung und Titelbild) – egal ob ich ihn manuell auslese, in den Podcatcher tue oder einen der Online-Services nutze.

    Handelt es sich hierbei um einen Fehler oder soll der Unterstützer-Feed nur für eventuell mal kommende Unterstützer-Inhalte da sein? In diesem Fall wäre es cool wenn sich das Titelbild optisch leicht unterscheiden würde damit man im Podcatcher direkt sieht aus welchem Feed eine Episode gerade kommt.

    Mach auf jeden Fall weiter so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte zeig mir, dass du ein Mensch bist! * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.