Ich & Der Nacktscanner

Heute fliege ich nach Graz zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Überwachung. Und ausgerechnet auf dem Weg zu einem Treffen von Überwachungsgegner passiert mir folgende Geschichte am Flughafen Berlin Tegel.

Da ich für heute eine Mahnwache gegen das morgen verabschiedete BND-Gesetz vor dem Brandenburger Tor angemeldet habe, bin ich auf einen späteren Flieger umgesattelt. Bei der Sicherheitskontrolle habe ich mich aus Versehen falsch angestellt. Das merkte ich erst, als vor mir ein riesiger Nacktscanner stand.

(alle folgenden Notizen sind ein inhaltliches Gedächtnisprotokoll eine Stunde nach dem Vorfall)

Ich so: Ich möchte nicht durch den Nacktscanner. Ich möchte daneben durchgehen.

Angestellter: Das geht nicht.

Ich so: Dann gehe ich eben zurück zu der anderen Schlange und stelle mich dort noch einmal an. Kein Problem.

Angestellter: Das geht jetzt nicht mehr.

Ich so: Warum?

Angestellter: Weil sie sich jetzt hier angestellt haben. Schauen sie mal das ist ganz ungefährlich. Das was man in den Medien liest stimmt gar nicht – wir sehen da keine nackten Leute. Ich zeig Ihnen das.

Er führt mich zu seiner Anzeige.

Ich so: Die Daten werden aber trotzdem erfasst und irgendwo gespeichert. Wie sie das angezeigt bekommen ist doch technisch egal.

Er so: Nein, das ist alles verpixelt.

Ich so: Kann ja sein dass es verpixelt in der Anzeige ist. Wo und ob sie die Daten dahinter abspeichern kann ich trotzdem nicht sehen. Und wie sie aussehen auch nicht.

Er so: ….

Ich so: Ich gehe da nicht durch.

Angestellter: Sie müssen aber hier durch. Sonst müssen wir ja denken sie haben was zu verbergen.

Ich so: Nein. Und jetzt?

Angestellter holt Polizeibeamten.

Polizeibeamter: Sie können nicht zur anderen Schlange.

Ich so: Warum nicht? Ich will hier den Betrieb nicht aufhalten (Riesenschlange hinter mir)

Er so: Weil sie sich hier angestellt haben.

Ich so: Ich gehe da nicht durch.

Polizeibeamter: Wie viel Zeit haben Sie denn?

Ich so: 45 Minuten.

Polizeibeamter: Dann müssen wir eben eine Volldurchsuchung machen.

Ich so: Aha, ja warum nicht. Ich fahre zu einer Bürgerrechtskonferenz, das passt dann ja thematisch ganz gut.

Polizeibeamter hält Rücksprache.

Polizeibeamter: Sie können daneben durchgehen.

Ich werde ausführlich abgetastet, muss die Schuhe ausziehen. Zum Schluss wird mein Rucksack noch auf Sprengstoffspuren getestet.

Im Bereich hinter der Kontrolle kommt eine andere Passagierin auf mich zu. „Everything OK?“, fragt sie. Ich sage ja und erkläre warum ich da aus Prinzip nicht durch wollte. Ich empfinde es als übergriffig Passagiere derart zu rastern. „Great that you stood up for it!“, sagt sie und wünscht mir alles gute.

Ich finde es krass heute unterstellt zu bekommen ich hätte „etwas zu verbergen“ nur weil ich eine „freiwillige“ Kontrolle per Nacktscanner verweigert habe. Erschreckend, wie tief drin es bereits in den Köpfen ist, dass man verdächtig ist so bald man auf seine Privatsphäre besteht. Umso wichtiger dem etwas entgegen zu setzen.

Was für ein Start für eine Reise zu einer Konferenz gegen Überwachung…

17 Gedanken zu „Ich & Der Nacktscanner

  • Hi,
    ja ich schalte die Beiträge erst frei weil hier so viele AfD-Fans menschenverachtende Sachen posten – da musste ich die automatische Freischaltung abschalten da ich da nicht hinterherkam 🙁

    Grüße!

  • @jean: Ich arbeite als Kontrollkraft an einem Flughafen und wir schauen dich nicht komisch an nur weil du die Kontrolle verweigerst. Gelegentlich fragen wir wieso jemand nicht möchte, die Entscheidung liegt aber letztendlich beim Kunden.
    Aber selbst wenn dich irgendwer komisch anschaut…ignorier es einfach. Jeder von uns kommt irgendwann in eine Situation in der man sich komisch fühlt, geht mir nicht anders. Soll ich deswegen der Masse folgen? Nein!!! Ich bin bspw. katholisch aufgewachsen und heute Atheist, deswegen werde ich unter Gläubigen komisch angeschaut. Man schaut mich auch dumm an, weil ich wegen der Datensammelei weder WhatsApp noch Facebook nutze. Aber soll ich deswegen der Masse folgen? Nein, denn es ist mir schlicht und einfach egal. Ich besitze das technische Hintergrundwissen und kann es für mich selber begründen, das reicht mir.

    Was das Thema Körperscanner angeht, musst du selbst entscheiden ob du so ein Ding nutzen möchtest oder nicht. Wir können dich nicht zwingen und mir persönlich ist es auch egal. Man sollte sich aber wenigstens mal (wenn man schon ein Gegner von diesen Geräten ist) damit beschäftigen. Die Argumente gegen diese Geräte sind bei genauer Betrachtung oft nicht haltbar und manchmal frage ich mich echt wie die Leute darauf kommen.

    Es gibt bspw. Leute die haben Angst vor der Strahlung, rennen aber mit 2 Smartphones+Fitnessarmband durch die Gegend. An die Smartphones kleben die dann irgendwelche Chips, die dann auf wundersame Weise vor der Strahlung schützen sollen. Ganz ehrlich, wie sollen wir darauf reagieren…? Letztendlich kann man den Leuten ihren „Glauben“ einfach lassen, andererseits finde ich das dahinter stehende Geschäftsmodell nicht so toll….

    Persönlich finde ich es besser, wenn die Leute uns einfach mal ansprechen würden, damit wir auch mal die Möglichkeit haben uns zu diesen Geräten zu äußern. Stattdessen reagieren einige echt aggressiv nur weil wir mal nach den Hintergründen fragen. Ich selber habe kein Problem damit wenn einer Bedenken hat und die Kontrolle verweigert. Ich spreche aber in erster Linie für mich.

    @Kattascha: Ich habe heute morgen schon einen Kommentar gepostet, allerdings ist der nicht erschienen. Muss der erst freigeschaltet werden, oder ist irgendwas schief gelaufen?

  • Man gewöhnt sich daran 😉 Nein im ernst – wenn man ein paar Mal auf seinem Recht bestanden hat merkt man, es ist gar nicht so schwer wie man denkt.

  • Mich würde es interessieren wie Du und andere sich bei so einer legitimen Verweigerung fühlen. Ich möchte auch nicht durch so ein Gerät kontrolliert werden und bestehe auf persönliche Abtastung und den Metalldetektor. Aber es bleibt das merkwürdige Gefühl dabei schief angeguckt zu werden, vom Personal und von anderen Passagieren. Geht es nur mir so oder wühlt dies auch andere Menschen auf?

  • Kattascha,

    war eine passende Reaktion deinerseits bei der Personenkontrolle auf dem Flughafen. Das Personal wird von der Bundespolizei genau instruiert wie vorgegangen wird. Schlangen wie bei den Bussen in London geht bei uns leider nur mit Druck. Da könnte ja jeder kommen … und insbesondere k e i n e Ausnahmen machen, brauchen Sie das schriftlich??

    Das andauennde Abschöpfen von persönlichen Daten bereitet mir ebenfalls Sorgen. Schnell ist ein Profil zusammengestellt und man kommt in die „Rasterfahndung“. Das geht ja beim Smartfone los. Deine Daten aus dem „Nacktscanner“ wären sofort verknüpft worden mit Deinen Passdaten, usw.

    Übrigens: schade, dass die Piraten so uneins sind und deshalb weniger schlagkräftig. Merkel’s CDU ist u. a. mittels strikter Hierarchien leichter zu einigen. Daneben sind die Abgeordneten vielfach davon abhängig, wieder aufgestellt zu werden und lassen sich einfacher einsingen. Demokratisch geht anders! Ich bin deshalb nach ca. 30 Jahren aus der CDU ausgetreten. Ich war eh eine Karteileiche in den letzten Jahren.

    Wir bräuchten dringend eine Reform unseres politischen Systems, mit mehr direkter Demokratie wie in der Schweiz. Ich vermute, dass Bürger selbst „Niederlagen“ besser aushaltenkönnen, wenn er direkt an der Abstimmung beteiligt war und weiss, welche Auswirkungen seine Stimme hat. Natürlich müßten wir erstmal üben, besonders Frau Petri 😉

    Freue mich von Dir zu hören!

    Beste Güße

    Bernd

  • „Ich finde es krass heute unterstellt zu bekommen ich hätte „etwas zu verbergen“ nur weil ich eine „freiwillige“ Kontrolle per Nacktscanner verweigert habe. Erschreckend, wie tief drin es bereits in den Köpfen ist, dass man verdächtig ist so bald man auf seine Privatsphäre besteht. Umso wichtiger dem etwas entgegen zu setzen.“
    Genau so schaut das aus. Vielen dank für diesen Bericht! Mach Bitte weiter so <3 Dank.

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