AfD-Doku: Petry schaut beim Rechtsruck weg

Diese Doku zeigt, wie die AfD immer radikaler wird. Die Interviews mit Schlüsselfiguren wie Frauke Petry und Jörg Meuthen sind extrem aufschlussreich:

Der Rechte Flügel im Aufwind

Die Doku gibt einen guten Überblick über Konflikte zwischen dem rechten „Flügel“ und den liberalen Resten in der Partei. In der „Erfurter Resolution“ fordern Unterstützer wie etwa Björn Höcke einen radikalen Rechtsruck der Partei. Mancherorts scheint die AfD zur Anlaufstelle für stramme Rechte geworden zu sein. Schrill und nationalistisch ist der Tonfall der Partei vor allem im Osten. Von einer „Kollektiven Psychose“ des deutschen Volkes ist dort etwa auf Demonstrationen die Rede. Zuwanderungspolitik als „Genozid“ zu bezeichnen ist bei einigen AfD-Mitgliedern kein Tabu mehr.  Der Vorstand schweigt zur immer rasanteren Radikalisierung an der Parteibasis. Rückendeckung bekam der rechte Flügel laut der Recherchen zur Doku mehrfach von Saubermann Jörg Meuthen, der seine schützende Hand gegen so manchen Rechtsaußen-Kandidaten hielt.

„Nationalistisch waren wir nie“, sagte Frauke Petry zu Beginn dieser Doku. Wenige Monate später sagte sie beim Parteitag in Stuttgart jedoch schon „Deutsch-National“ sei eine ganz gute Beschreibung für eine deutsche Partei. Denn auch der Vorstand spürt, wie die Parteibasis weiter nach rechts abdriftet. Wer dem nicht nachgibt, und sich moralisch nicht flexibel zeigt, droht bei der nächsten Vorstandswahl abgesägt zu werden. Der Schulterschluss zwischen AfD und Pegida und die Nähe zum rechten Verleger Götz Kubitschek sind Hinweise dafür, dass der Vorstand den rechten Flügel nicht Einhalt gebieten will. Zu Zeiten von Lucke wurde Kubitschek noch der Beitritt zur AfD verweigert. Heute würde es möglicherweise anders aussehen. Seine Frau Ellen Kositza könnte bald die AfD Sachsen-Anhalt verstärken.

Die AfD spaltet das Land

Auch „normale“ AfD-Mitglieder kommen in der Doku zu Wort. Nach dem Austritt bei den Grünen engagiert sich etwa Ludger Sauerborn bei der AfD. 36 Jahre lang hat er zuvor gegen Atomkraft gekämpft. Dass die AfD gerade bei diesem Thema das komplette Gegenteil fordert, stört ihn nicht. Seitdem geht ein Riss durch die Familie Sauerborn. Sohn Robert beeindruckt in der Doku mit starken Gegenworten gegen die Vorurteile des Vaters. Wiederkehrende Streitgespräche zwischen Vater und Sohn stehen dabei stellvertretend für den Riss, der derzeit durch viele Familien geht.

Auch die AfD ist gespalten. Vor laufender Kamera sagt AfD- Fraktionschef Jörg Meuthen aus Baden-Württemberg er werde die Partei verlassen, wenn die Partei in eine radikalere Richtung nach rechts gehe in Bezug auf den Islam. Am Ende stimmt der Parteitag in Stuttgart für einen weitaus schärferen Programmtext als vom Vorstand vorgelegt. Doch obwohl die Partei zunehmend eine Eigendynamik Richtung rechts entwickelt, bleibt der Vorstand weiterhin an Bord.

Auf Demos sprechen AfD-Vertreter heute davon, dass die etablierten Parteien nicht wollten, dass „das deutsche Volk erwacht“ – bei der AfD glaubt man an das „faschistische Merkel-Deutschland“. Slogans, die man bisher nur von Parteien wie der NPD kannte. Die Recherchen dieser Doku zeigen: Der Rechtsruck der AfD ist in vollem Gange – und noch lange nicht am Ende.

2 thoughts on “AfD-Doku: Petry schaut beim Rechtsruck weg

  • Die Piraten wollten den sogenannten Volksparteien Transparenz, Demokratierückgewinn und Offenheit abverlangen. Hat nicht geklappt.
    Auch die AfD wird nur temporär in der Öffentlichkeit präsent sein. Der gewöhnliche Deutsche wählt immer in der Mehrheit die sogenannten Volksparteien. Ich denke oft an Heinrich Heine…

  • Ich finde an der Doku auch die Vater-Sohn-Geschichte besonders spannend. Der Junge verzweifelt an der Sturheit seines Vaters. Das geht heute vielen so. Starke Leistung der Journalisten!

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