TrapWire: Das amerikanische INDECT?

Gestern stand die Whistleblower-Platform Wkileaks laut Aussage der Betreiber unter Beschuss. Pro Sekunde wurden angeblich 10 GB auf die Wikileaks-Server abgefeuert – ein DDoS-Angriff, der sich sehen lassen kann. Ein Grund für die Attacke könnte die Veröffentlicher umfassender Materialien zum Projekt TrapWire gewesen sein. Im Spiegel wurde darüber berichtet, dass ein neues Video-Überwachungssystem für NewYork geplant sei, welches in der Lage ist Verhaltensmuster und Nummernschilder zu erkennen. Aus den internen Dokumenten der Beratungsfirma Stratfor geht jedoch hervor, dass nicht nur NewYork von solch einem neuen Überwachungssystem betroffen sei. Bei den bisher nicht verifizierten Quellen handelt es sich um angebliche interne Mails des Unternehmens Stratfor. Sollten sich diese als authentisch herausstellen, ist ein amerikanisches INDECT bereits auf dem Vormarsch. Und das an der Öffentlichkeit vorbei.

TrapWire ist ein Verkaufsschlager

Doch was kann TrapWire eigentlich? Der Hauptteil von TrapWire ist die Infrastruktur, die sich an Videokameras ranhängen kann. Gemeint ist – ähnlich wie bei INDECT – ein intelligentes System, welches „auffälliges Verhalten“ (was auch immer das sein mag) automatisiert erkennt und Alarm schlägt. Zusätzlich gibt es noch Strahlungs-Detektoren, Gesichtserkennung und Nummernschild-Scanner, die rund um die Uhr ein Auge auf die Bevölkerung werfen können. Das System soll noch akkurater arbeiten, als moderne Gesichtserkennungssoftware.

TrapWire Inc., Tochterunternehmen von Abraxas, verkauft Infrastruktur in unterschiedlichen Ausführungen. Die Version „TrapWire Law Enforcement“ bietet laut Auskunft der Hersteller die „Möglichkeit Informationen über eine ganze geographische Region hinweg zu sammeln, zu analysieren und zu verbreiten. Zugleich bietet diese Version die Möglichkeit sich mit den weiteren „Paketen“ zu verbinden. Die „proaktive Überwachung“ durch Kamera-Systeme und Plattformen bei denen Nutzer verdächtiges Verhalten melden können sind auf einander abgestimmt.

Offenbar gab es neben NewYork bereits andere private und staatliche Abnehmer für umfassende Überwachungssysteme. Aus den Dokumenten geht hervor dass Texas Verträge mit dem Unternehmen und Anbieter „TrapWire“ unterzeichnet hat. In einer auf April 2010 datierten E-Mail heißt es, TrapWire werde am darauf folgenden Montag installiert werden. In einem weiteren Dokument (Februar 2011) heißt es, TrapWire sei bereits an „high value targets (HVTs)“ (besonders schützenswerten Objekten) New York, Washington D.C., London, Ottawa und Los Angeles installiert worden. Die Öffentlichkeit wurde darüber nicht informiert.

Every step you make, every bond you break – I´ll be watching you

Für die Vermarktung von TrapWire hat Abraxas eigens das Tochter-Unternehmen TrapWire Inc. gegründet. Abraxas arbeitet widerum eng mit Stratfor zusammen. Alle beteiligten Unternehmen zeichnen sich durch eine sehr hohe Dichte von ehemaligen Geheimdienst-, Polizei- und Militärmitarbeitern aus. Man ist hier unter sich. Fear sells: Aus einzelnen veröffentlchten Dokumenten geht hervor, dass als Verkaufsargument systematisch auf Anschläge und soziale Unruhen verwiesen wurde. Besorgniserregend ist vor allem das offensive Marketing, das aus den Dokumenten hervorgeht:

"Regarding SF landmarks of interest--they need something like Trapwire
more for threats from activists than from terror threats.  Both are
useful, but the activists are ever present around here."

Da Wikileaks gerade nicht erreichbar ist, empfiehlt es sich einen der Mirrors anzuschauen. Der Vertrag zwischen Abraxas und Stratfor beinhaltet, dass Stratfor 8% Provision für die Vermarktung des Produkts TrapWire erhalten sollte. Aus einem weiteren Dokument geht hervor, dass die Verkaufsgespräche mit US-Army, dem Pentagon und den Marines erfolgreich waren. Bei der Armee wird dies zudem durch eine öffentliche Äußerung zum Thema Überwachungssysteme gedeckt. Laut der Dokumente sollte die Navy als nächstes angegangen werden. Doch die Mails – wenn sie sich als authentisch erweisen sollten – sind von 2011.

Bürgerrechtler schlagen Alarm

Justin Ferguson hat auf pastebin Informationen zu TrapWre zusammengefasst und damit eine Öffentlichkeitswelle losgetreten. Bei Twitter ist #TrapWire gestern unter den Top Themen gewesen. Ich kann nicht sagen, ob die Mails von Stratfor authentisch sind. Falls sich die Informationen als wahr herausstellen sollten, wäre dies ein Skandal. Zum einen ist es erschreckend, dass Privatunternehmen die Infrastruktur für ein derartig umfassendes Überwachungssystem verwalten sollen. Zum anderen zeigt die Tatsache, dass bei Abraxas zahlreiche Ex-CIA Mitarbeiter beschäftigt sind und in den Mails ständig erwähnt wird, wer sich mit wem zum Essen trifft, wie schwierig es ist, Korruption und „Revolving-Door“ Prinzip zu trennen. Nicht zu vergessen wäre der größte Skandal, dass die Öffentlichkeit und Bürgerrechtsorganisationen nicht informiert gewesen sind.

Letzte Woche war ich bei einem Interview. Ich wurde gefragt, ob Videoüberwachungssysteme wie bei dem Film „Monority Report“ möglich wären. ich habe den Film zwar nicht gesehen, sagte aber, dass Gesichtserkennungssoftware nach derzeitigem Stand der Wissenschaft in der Lage ist eineiige Zwillinge auseinander zu halten. Derzeit sei es aus finanziellen Gründen unwahrscheinlich, dass Privatunternehmen dies für sich nutzen. Würde ich heute noch einmal die Frage gestellt bekommen – ich würde auf TrapWire verweisen.